Der deutsche Krieg um die Leitkultur

“Mulitkulti ist tot!” schmettert Seehofer dem donnernden Applaus der Jungen Union Versammlung entgegen. Und “Wir kämpfen für die deutsche Leitkultur!” Man steht fassungslos davor, liest fassungslos die Kommentare auf diesem YouTube-Video und fragt sich: Welchen Krieg kämpfen diese Menschen? Könnte es sein, dass Deutschland vielleicht doch nicht so weltoffen und tolerant ist wie die fröhliche Fußball-Patriotismus uns glauben machen wollte? Was haben diese Menschen konkret für ein Problem, welche Angst treibt sie um? Man weiß es nicht und das ist eigentlich das Schlimme am Ganzen.

Die Zuwanderung ist seit Jahren rückläufig, mehr Menschen ziehen z.B. von Deutschland in die Türkei als umgekehrt. Wir haben, im Gegensatz zu vielen westlichen Staaten wie Kanada oder Australien, kein vernünftiges Einwanderungskonzept, um Talente nach Deutschland zu holen. Es geht sogar so weit, dass Menschen, die an deutschen Universitäten ausgebildet wurden, danach das Land wieder verlassen müssen. Wir haben also de facto überhaupt keine Zuwanderung! Wir haben Menschen, die auf Deutschkurse warten, deren Budget gekürzt wurde. Wir haben Einbürgerungstests, die mancher Deutscher nicht bestehen würde. Wir haben keine doppelte Staatsbürgerschaft, also auch kein “Multikulti”. Worum geht es also? Geht es um Zwangsheiraten? Oder um Familiengerichte? Geht es um Burkas? Dann lasst uns darüber reden! Geht es um schlechte Schulabschlüsse, um Gewalt an Schulen? Dann sollten wir genau darüber reden! Aber diese diffuse “Schluss jetzt”-Rhetorik mit Kriegsmetaphern bedient völlig irrationale Ängste und genau das macht mir Angst.

Es ist offensichtlich, dass es Taktik der CDU ist, genau diese Menschen einzufangen damit sie sich nicht noch rechteren Parteien oder der Linken zuwenden. Aber damit beschwören sie einen Krieg um eine deutsche Leitkultur, der gefährlich enden könnte. Sie beleidigen all jene, die hier Geschäfte aufgebaut, dieses Land geformt, ihre Kinder hier aufgezogen haben. Sie beleidigen all jene, die in Deutschland eine Zukunft gesehen haben und eine Umgebung in der man kreativ, unternehmerisch, erfolgreich und sicher leben kann. Und sie beleidigen mich, denn ich werde mir nicht von Horst Seehofer oder Angela Merkel meine Kultur vorschreiben lassen. Wenn sie Krieg wollen, werden sie ihn kriegen.

Berlin Music Week

Berlin has a fashion week, a social media week, a week full of movies (Berlinale), but despite the vibrant scene, no established big music event. Now, for the first time, Berlin will host the Berlin music week which is bunch of events like conference, fair, festival, lots of concerts and parties.

Of course, in its parts, it is nothing new. Alltogethernow (#a2n) as a conference saw it’s first issue last year. Popkomm as a global trade fair for the music industry has a tradition of over 20 years and is slowly getting back some of the relevance it lost while the major music labels had to fight with revenue losses. And the Berlin festival started 2005.

From a branding aspect, it is good idea to put all this under one umbrella and attract people from all sorts of music business, whether it be major or indie labels, concerts, live events or distribution. It will be a week packed with talks and meetups and of course many concerts. I am personally looking forward to being present at a panel at a2n about the myriad of possibilities of self marketing for artists and will be attending the Berlin festival, of course.

Lost in Val Sinestra Campaign

An interactive trailer which pulls your friends information from Facebook and integrates it in the movie.

Technically, it’s not a problem to put individual text and video into a flash movie. Alone, the right idea and the concept is a challenge that Lost in Val Sinestra solves in a very smart way. By connecting your Facebook account to the Val Sinestra Trailer Editor a random selection from your friends list is made, you can chose a “Thrill factor” and your movie is being generated. Your own name will be used for the director’s title, your friend’s names and pictures will be integrated into the plot, on guest lists, on papers, fotographs or in the tv news. Alone, the sharing is not thought through really. In the end, I would expect a suggestion to share your own movie in your news stream and at the wall of all the people that take part in the movie. Technically, that would have been possible.

Try it out at http://www1.lost-in-val-sinestra.com/

Update: Obviously, this is not a movie Trailer but a campaign for Swisscom, as Techcrunch reports.

Brian O’Connor im Interview

Brian O’Connor ist einer der Köpfe hinter dem iPad Magazin “The Iconist”, das der Axel Springer Verlag relativ aufwendig und exklusiv für das Gerät entwickelt hat. Im Gespräch erzählt er von der neuen Herangehensweise an ein Magazin auf dem iPad, Beispiele für Geschichten und gibt einen Ausblick auf die nächste Ausgabe.

MIt P3000 (Agentur für Social Branding. Mehr als eine Social Media Agentur aus Berlin) arbeite ich an einem “Blogger Reachout” um den Iconist in die deutsche Blogosphäre zu bringen. Am Dienstag abend hatten die Iconistmacher zu einer kleinen Runde ins Hotel de Rome geladen, zu dem wir unter anderem auch Julia (LesMads), Clemens (Ignant), Silke (Netzpiloten), Theresa (Flanellaparell) und Sachar (Massenpublikum) begrüßen konnten. Man konnte das Magazin ausprobieren, mit der Redaktion plaudern, Champagner trinken und sich lifestylig fühlen. Auf den Punkt brachte Inga Griese, Chefredakteurin des Iconist, in ihrer Begrüßungsrede den Lifestylejournalismus als “nicht zwingend nötig, aber wahnsinnig schön.”

Erster Co:llaboratory Bericht fertig und online

Das erste Ergebnis des im April gestarteten Internet & Gesellschaft Expertenkreises liegt nun vor. In seinem ersten Bericht gibt das “Co:llaboratory” einen Überblick über das Stimmungsbild zu verschiedenen Aspekten der Internet-Innovationskultur und stellt Handlungsoptionen für verschiedene Entscheidungsträger vor. Es geht u.a. um die Themen globaler vs nationalstaatlicher Regulierung (hier mein Beitrag dazu auf dem Co:llaboratory YouTube Channel), Datenschutz und Privatheit, Arbeitsumfelder, Anonymität, Medienkompetenz und Urheberrecht. Die Ergebnisse sind durchaus interessant, vor allem an den Stellen, an denen wenig Einigkeit bestand. Das gesamte Dokument gibt es hier zum Download.

Ich hatte die Freude, daran mitzuarbeiten und in einem illustren Expertenkreis zunächst gegensätzliche Thesenpaare zu formulieren, die wir dann im Rahmen einer Umfrage zur Option stellten. Wichtiger als die Entscheidung für eine der beiden Thesen waren aber die qualitativen Beiträge, die die Thesen provozieren sollten und haben. Die Ergebnisse des jetzt vorliegenden Berichts basieren auf dieser Umfrage unter mehr als 530 Experten und Netzbürgern und wurden auf Grundlage von 2.300 qualitativen Statements erarbeitet.

Weiter zu den Details und Ergebnissen. Continue reading

Zukunftswerkstatt – eine Onlinekonferenz der SPD

Am 02. Juni veranstaltet der SPD-Parteivorstand von 12:00 bis 14:00h eine Online-Konferenz. Der Präsenzteil wird mit ca. 40 Zuschauern in einer Art Studio-Atmosphäre im Foyer des Willy Brandt Hauses statt finden, das Thema ist “Wir brauchen eine neue Kultur der Arbeit und eine neue Ordnung auf dem Arbeitsmarkt.” – Vorwärts hat dazu ein Onlinespecial

Ich wurde gebeten, ein Videostatement aufzunehmen, das auf der Konferenz einen Impuls geben soll. Meine Frage zielte auf den Status und die soziale Absicherung von Freelancern und Selbstständigen. Meines Erachtens ist die Politik sehr einseitig auf die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse fokussiert und vergisst die vielen Einzelunternehmer. Diese bilden zum einen ein großes Potential für solidarische Versicherungssysteme, zum anderen fehlt ihnen bisher der Schutz: Zwar kann man sich auch als Selbstständiger gegen Arbeitslosigkeit versichern, auch gibt es Steuererleichterungen für private Renten nach dem Rürup-Prinzip, die KSK versichert Künstler als seien sie Angestellte, aber die Konzepte sind bisher nicht miteinander verknüpft und im Bereich Gesundheit ist bisher zu wenig passiert.

Ich bin gespannt wie Olaf Scholz, Ex-Arbeitsminister auf die Frage reagieren wird. Die Konferenz wird online übertragen, schon jetzt kann man Fragen und Beiträge einbringen, die auf der Konferenz bearbeitet werden sollen. Gespannt bin ich auch, welche Interaktionstools es während der Konferenz geben wird. Wer Interesse hat vor Ort dabei zu sein, schreibt mir bitte eine Mail!

Interessante Social Media Marken-Kooperationen

Der Online-Fashionshop Haburi hat zwei interessante Aktionen auf seiner Facebookpage: In Kooperation mit Cinemaxx können Fans (man muss Fan sein, um teilnehmen zu können, eine Praktik, die immer mehr zum Standard wird) einen Kinosaal mit Freunden füllen. Wer tatsächlich 199 Freunde zu der Aktion einlädt, kann mit diesen eine Exklusivvorstellung von Sex & the City 2 besuchen.

Spricht die erste Idee eher Frauen an, richtet sich die zweite (“Fashion Rocks“) eher an ein gemischtes Publikum: Wer gerne auf Festivals fährt, kann ein Foto seines Lieblingsfestivaloutfits posten und kommentieren lassen. Unter den Mitmachenden werden dann 5×2 Tickets für Rock im Park gewinnen. Umgesetzt wurde die App mithilfe von Wildfire. (Update: Inzwischen von Google gekauft, eine Liste über einfach Social Media Tools gibt es hier.

Es fällt auf, dass Markenkooperationen via Social Media viel leichter zu organisieren sind, als über andere Kommunikations- und Vertriebskanäle. In letzter Zeit sind mir ein paar solche Kooperationen zwischen Medienunternehmen (Filmverleiher, Kinobetreiber), Reiseveranstalter oder wie in diesem Falle, Online-Fashionshops aufgefallen. Falls ich weitere Links werde ich sie hier posten, falls euch welche auffallen, schmeißt sie hier rein!

Von der Organisation der Innovation

Hier findet ihr meine Präsentation von der re:publica 10, vom 15.04. im Quatsch Comedy Club. Zusammen mit Iepe Rubingh, Tex Drieschner, Manik Surtani, Tim Leberecht und Simon Blake hatte ich die große Freude darüber zu sprechen wie Organisationen Innovation managen und wie sich der Wandel hin zu “open innovation”, also den Entwicklungen im Netzwerk und über die Organisationsgrenzen hinaus am Beispiel von Online-Innovationsplattformen zeigt. Nach dem Break habe ich noch ein paar Links zusammen getragen, für die die etwas weiter lesen wollen.

Hier ist das Video dazu:

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Innovationspanel auf der Re:publica

Dieses Jahr habe ich die große Freude und Ehre, auf der re:publica zu sprechen. Tex Drieschner, gleichwohl Musiker wie “Solutions Architect” bei Red Hat lud mich ein, auf seinem Panel zu Innovation zu sprechen und dort werde ich dann u.a. mit Tim Leberecht (Vice President das Marketing bei Frog Design) und Iepe Rubingh, Aktionskünstler und Erfinder des Schachboxens sitzen und darüber sprechen wie Neues in die Welt kommt.

Mein Vortrag trägt den Titel “Chaos vs Totgeplant: Von der Organisation der Innovation”. Ich möchte Formen vorzustellen wie Organisationen Innovation “organisieren” wollen und das natürlich mit Fokus auf Online-Tools. Wie schaffen es einige Organisationen immer wieder auf neue Ideen zu kommen und andere scheitern auch mit millionenschweren Programmen? Ist das eine Frage der Kultur oder der Organisationsregeln? Und ab wann macht sich eine Organisation eine persönliche Idee als Innovation zu eigen?

Ein sehr spannendes Thema, über das ich zum einen theoretisch sprechen möchte, um bestimmte Formen und Studien vorzustellen. Und praktisch, anhand von einigen Beispielen wie natürlich My Starbucks Idea, P&G Connect & Develop (zur Marke Braun, die ja ebenfalls zu P&G gehört, durfte ich schon einmal ein interessantes Interviews zu Social Media und Innovation bei Braun führen), Tchibo Ideas, Jovoto Ufa Lab und aus eigener Erfahrung arvato Innovation.

Schon an diesen Beispielen erkennt man große Unterschiede in der Herangehensweise, die einen binden Kunden ein, die anderen ein Netzwerk aus Zulieferern, bei anderen wiederum ist es nur intern, die Form der Beschreibung und der Bewertung einer Innovation unterscheidet sich zum Teil erheblich und die auch der Grad der Formalität.

Wer kennt weitere Innovationsplattformen von Organisationen, die hier noch nicht enthalten sind? Bitte ergänzt weitere Links in den Kommentaren, der Fame der re:publica wird euch sicher sein und mein Dank natürlich ebenso!

Kitkat aus Palmöl von Sinar Mas

Vor einer Weile hatte ich über Irrsinn der EU Politik geschrieben, die mit Export- und Biokraftstoff-Subventionen viel Schaden anrichtet. Erwähnt wird dabei auch die Sinar Mas Gruppe. Passend dazu gibt es einen Greenpeace Spot, der Nestlé kritisiert, weil sie von Sinar Mas Palmöl beziehen. Für die Gewinnung des Palmöls als industriellen Rohstoffs werden Regenwälder vernichtet und Monokulturen angelegt, die die Böden schädigen und die lokale Wirtschaft sowie Lebensräume zerstört.

Angeschlossen daran eine interessante Diskussion über aggressive NGO-Kampagnen bei Metronaut, Talkabout und Greenpeace. (via Netzpolitik)